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Mein Niiuview

Dezember 8, 2009 1 Kommentar

Weder das Internet noch die gedruckte Tageszeitung bilden das Informationsverhalten und den Lifestyle junger Leute ausreichend ab […]. Das wollen wir ändern: mit einem Produkt, das zum einen die persönlich ausgewählten Inhalte der Zeitungen bietet, […] und das zum anderen aber auch die Vielfalt des Internets widerspiegelt, das bis heute keinen Platz in der klassischen Tageszeitung findet.


So lautet das Mission Statement der Niiu, Deutschlands erster individueller Tageszeitung, die jeder Abonnent nach eigenen Vorlieben zusammenstellen kann. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten habe ich die Niiu nun eine Woche lang testen können, und ich muss sagen: Das Produkt ist spitze. Bis jetzt habe ich mich dem etablierten Konzept der Tageszeitung erfolgreich verweigert. Dies hat vor allem drei Gründe:


Gründe, keine Tageszeitung zu lesen

Erstens habe ich  einfach nicht jeden Tag Zeit und Ruhe, mich ausführlich mit einer Zeitung zu beschäftigen, und meine Altpapiertonne ist nun wirklich voll genug. Ich brauche kein Geld ausgeben, um zusätzlichen Papiermüll dazu zu kaufen.

Zweitens ist mir unter den traditionellen Tageszeitungen noch keine begegnet, die mir das erwähnte Geld regelmäßig wert gewesen wäre.  Ich habe keine Verwendung für mehrseitige Sportteile,will keine Börsenkurse studieren und es interessiert mich nicht die Bohne, welcher C-Promi im Rausch eines schlechten LSD-Trips auf die grandiose Idee gekommen ist, von einem Hoteldach zu urinieren. Leider beschäftigen die gängigen Tageszeitungen sich mehr oder minder ausführlich auch mit diesen Dingen, womit wir wieder beim Thema Papiermüll wären.

Drittens bin ich kein Freund von vorgekauten Nachrichten; — ich möchte die Fakten kennen und alle Seiten einer Geschichte beleuchtet sehen, ehe ich mich für eine entscheide. Traditionelle Tageszeitungen sind mit diesem Anspruch — verständlicherweise — überfordert. Wer verschiedene Perspektiven und Meinungen will, der muss verschiedene Blätter kaufen und vergleichen.


Niiu — Zeitung 2.0

Zwei dieser Probleme löst die Niiu sourverän. Das Baukastensystem, das  mit einer beträchtlichen Auswahl bekannter  Zeitungen und Blogs aufwartet,  ermöglicht es, innerhalb von Minuten die persönliche Wunschzeitung zusammen zu stellen. Im Briefkasten landet nur, was man auch lesen will. Meine Niiu enthält z.B. die Titelseite der Berliner Morgenpost, die Feuilleton- und Politik-Ressorts verschiedener Blätter, einen Wirtschaftsteil aus dem Handelsblatt, sowie die akutellen Themen der New York Times. Ummantelt wird diese Auswahl von diversen Blog-Einträgen, denen Vorder- und Rückseite der Niiu gehören.

Hier und da leidet der Lesekomfort einzelner Inhalte unter der Anpassung an das Format der Niiu. Soweit ich das beurteilen kann, sind von dieser Problematik allerdings nur wenige Quellen, wie z.B. die New York Times, betroffen, und auch diese bleiben durchaus lesbar. Eine Optimierung des Leserkomoforts wäre sicher wünschenswert, aber wirklich ins Gewicht fällt dieses kleine Manko für mich nicht.


Kinderkrankheiten und Kunden-Service

Störender waren dagegen die Probleme in der Zustellung. Bis meine Niiu tatsächlich zuverlässig jeden Morgen einzutrudeln begann, ging eine gute Woche ins Land. Inzwischen klappt das sehr gut. Dafür lässt der Zusteller sich nun gern mal dazu hinreißen, zu nachtschlafender Zeit Sturm zu klingeln, um Zugang zu Hausflur und Briefkasten zu bekommen. Gerade am Samstag neige ich dazu, so etwas übel zu nehmen. Der Einsatz ist lobenswert, die Umsetzung eher zweifelhaft. Hier muss das Niiu-Team noch etwas nachbessern.

Dazu ist man bei der Niiu aber glücklicherweise allzeit bereit. Ich habe selten einen so engagierten und zuvorkommenden Kunden-Service erlebt. Man entschuldigte sich unumwunden für die anfänglichen Lieferschwierigkeiten, verlängerte mein kostenloses Probe-Abo um mehrere Ausgaben und versprach, ich könne die Niiu solange gratis testen, bis ich sie zuverlässig erhalte und auch mit dem Endprodukt zufrieden bin. Was will man mehr?


Erfolg auf der ganzen Linie

Inzwischen habe ich die Niiu wie gesagt eine Woche lang ausgiebig testen können. Und ich bin zufrieden.

Nach wie vorher habe ich das anfangs erwähnte Zeitproblem. Dieses zu lösen, liegt allerdings nicht in der Verantwortung des Niiu-Teams. Ob ich mir die Zeit zur täglichen Zeitungslektüre nehmen kann, muss ich selbst wissen. Ohne die Niiu stünde dieses Thema aber gar nicht zur Debatte.

Das Konzept geht voll auf, und das Endprodukt kann sich mehr als sehen lassen. Es gibt eigentlich niemanden, dem ich ein Probe-Abo nicht uneingeschränkt empfehlen würde.

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